Daniel Huser, die SVP Aargau hat einstimmig die Nein-Parole zur Energiestrategie 2050 beschlossen. Wo waren Sie als Befürworter?

Daniel Huser: Ich trage ich in diesem Thema den Hut des Unternehmers und Präsidenten des Gebäudetechnikverbandes Suissetec. Wir haben uns als Verband von Anfang an für die Energiestrategie 2050 eingesetzt und uns positioniert, bevor die SVP Aargau die Nein-Parole beschlossen hat.

Aber als die SVP Ihre Parolen gefasst hat, waren Sie nicht dabei.

Wegen geschäftlichen Terminen konnte ich am Parteitag leider nicht teilnehmen.

Trotzdem sind Sie SVP-Mitglied und sitzen für die Partei im Wettinger Gemeinderat.

Das stimmt. Ich bin in diesem Thema aber als Suissetec-Präsident aktiv.

Die Gegner schreiben, die Energiestrategie stamme aus der Motten-kiste links-grüner Fantasten. Wie sehen Sie das?

Es ist längst keine links-grüne Strategie mehr. Wenn das so wäre, könnte ich nicht dahinter stehen. Im Parlament hat vor allem die FDP dafür gesorgt, dass ein pragmatischer Kompromiss zustande gekommen ist. Wäre zum Beispiel das marktnahe und neue Fördermodell nicht Teil der Energiestrategie, hätte es im Parlament wohl keine Mehrheit gegeben und auch ich beziehungsweise der Verband hätten grosse Bedenken gehabt, ob wir mit dieser Energiestrategie 2050 den richtigen Weg gehen.

Sie haben also keine Angst davor, bei einem Ja kalt zu duschen?

Nein, definitiv nicht. Dieses Szenario ist unrealistisch und Angstmacherei.

Apropos Angst: Haben Sie keine Angst, als SVP-Mitglied so aus der Reihe zu tanzen?

Ich bin Ende Jahr seit 16 Jahren Gemeinderat und habe Erfahrung, wie man mit solchen Situationen umgeht. Ich schaue in den Spiegel und kann mir sagen: «Ja, das kann ich vertreten.» Ich werde auch bei der SVP bleiben und nach den Werten der SVP politisieren, obwohl es vielleicht Leute gibt, die mich für meine Haltung zur Energiestrategie kritisieren.

Sie schielen also nicht zur FDP?

Nein, ich schiele nicht zur FDP. Auch wenn die FDP in vielen Themen eine ähnliche Haltung hat wie ich. Ich fühle mich wohl in der SVP.

Eigentlich erstaunt es wenig, dass Sie zu den Befürwortern gehören. Von einem Ja würden Sie beziehungsweise Ihre Firma profitieren.

Ja, ich habe Eigeninteressen. Als Schweizer Bürger und Gebäudetechnikunternehmer, das stimmt. Ich habe auch ein Interesse daran, dass das Geld in der Schweiz bleibt, dass wir in der Schweiz innovativ sind und den jungen Menschen Perspektiven bieten können. Das entspricht den Werten der SVP und wird durch ein Ja zur Energiestrategie gefördert. Demnach vertrete ich meiner Meinung nach die Werte der SVP.

Können Sie ein Beispiel machen?

Die Unabhängigkeit der Schweiz ist der SVP wichtig. Das neue Energiegesetz sorgt dafür, dass die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Damit bleiben wir unabhängig vom Ausland. Das ist für mich ein Wert, für den die SVP steht.

Was heisst ein Ja für Ihre Firma?

Summenmässig ist es schwer einzuschätzen. Aber die öffentlichen Gespräche über den Energieverbrauch führen zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung. Das sichert unsere Arbeitsplätze und macht zusätzliche Investitionen möglich. Wir können sicher auf dem bisherigen Level bleiben. Dazu kommt, dass gerade das Limmattal noch viel wirtschaftliches Potenzial hat.

Sie müssen sich also keine Sorgen machen.

So pauschal würde ich dies nicht sagen. Wir haben in der Gebäudetechnik und Gebäudehüllenbranche viele Herausforderungen – unter anderem zu wenig gut qualifizierte Fachkräfte. Ein Ja würde sicher das Berufsimage aufwerten.

Würden Sie die Energiestrategie auch befürworten, wenn Sie nicht in der Gebäudetechnikbranche

tätig wären?

Meine Tätigkeit als Unternehmer und Verbandspräsident spielt sicher eine entscheidende Rolle. Das kann ich nicht von der Hand weisen. Aber als Familienvater habe ich auch ein Interesse daran, dass die jungen Menschen eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft haben.

Wie steht es eigentlich um Ihren Energieverbrauch?

Wir haben vor 17 Jahren in Wettingen ein Einfamilienhaus gebaut. Unser Haus hat eine thermische Solaranlage fürs Warmwasser und eine Erdsondenheizung. Unterdessen habe ich auch ein Elektroauto – das gleiche wie Bundespräsidentin Doris Leuthard. Auf dessen Dach plane ich noch, eine Photovoltaikanlage zu montieren. Auf einer Skala von eins bis zehn, bin ich wohl so bei sieben, was den Energieverbrauch betrifft. Ich mache etwas, bin aber noch nicht dort, wo ich hin möchte.